Trauma.

Peter R. Pollmann - 'Schleudertrauma.'
Ich will mich nicht betrügen.

Ich sah Dich. Du hast mich gesehen. Das stimmt. Ich fürchte mich vor meiner Angst. Das ist der Grund. Warum ich schreibe. Warum ich atme. Weiter atme. Liebe. Und begehre. Und Dich begehre. Und Deine Schwächen liebe. Und Deine Lügen liebe. Und all die Wörter, die Du mir nicht sagst. Ich fürchte mich vor meiner Angst. Das ist der Grund. Warum ich Worte spreche. Aus mir sprechen lasse. Und höre. Meine Schritte. In Deinem Schweigen. Ich kann nicht stehen bleiben. Ich muss weiter. Weiter. Immer weiter. Es ist die Angst vor dem Ersticken. Die ich fürchte. Keine Zeit. Ich sah Dich. Nein. Ich will mich nicht betrügen. Ich sehe Dich. Noch immer. Erst heute morgen. Erst soeben. So wie Du mich. Und Dich. Nicht sehen willst. Nicht sehen kannst. Nicht sehen musst. Ich fürchte diese Angst. Und das ist Grund genug. Mein Herz. Für Dich. Zu schlagen. Zu leben. Ich bin ein Glücklicher. Weil diese Furcht. Mich vor der Angst, der Einsamkeit, bewahrt. Und jedes Risiko. Mich lockt. Und alle Hüllen fallen lässt. Das stimmt. Für mich. Für uns. Und Karlsson auf dem Dach.

Peter R. Pollmann
Dornröschen hat Hunger.
Der Krimi bleibt. Schwul.
Prosa – 162 Seiten

Musik
Working Men’s Club
Cut
Sydney Minsky Sargeant
Heavenly Recordings

Art
Doron Langberg
Sleeping I, 2020
Öl auf Leinand
privat collection

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Von Peter R. Pollmann

Dichter, Rezitator & Sprechlehrer. Videomacher. Lebt in Köln.