Verdict.

Peter R. Pollmann - 'Verdict.'
Keine Hypotheken.

Mach dir nichts vor, sagt Anton. Er hat an deine Tür geklopft, sich dein Gequatsche angehört in jener Nacht, weil er sie brauchte, deine Träume. Spiegeln musste. Um zu bestehen. Das war sein Trick. Hielt ihn bei Laune. Sex. Drogen. Sprüche. Falsche Fährten. Er kannte die Parolen. Idiotin. Hauptsache weiterlaufen, hamstern. Dominieren. Du warst nur eine Schachfigur. Warst nur ein Puzzlesteinchen mehr. Und dass sein Vater ihn missbrauchte, spielt dabei keine Rolle. Sowenig wie sein Outing. Ja. Vielleicht. Vielleicht. Auch nicht. Was bringt’s. Der ganze Irrsinn. Den er erzählte, selber glaubte. Und gab sich älter, als er war. Sagt Anton. Hat also früh damit begonnen. Liebte es. Genoss die Rollenspiele. Und dann ist er zu alt. Mit 25, 26. Schon Ladenhüter. Kreisverkehr. Zehn Jahre Sucht. Gewalt. Und Lügen. Mort cérébrale. Heißt: Kein Zurück. Auch wenn dein Muskel, Herz, noch pochen mag. Noch weinen will. Bricht Chaos über ihn herein. An diesem Morgen. Unbestimmt. Und Masken stürzen. Kreischen. Und weil er ständig auf dem Sprung war, ohnehin, von einem Bett ins nächste, Fremde floh, nichts bessres mit sich anzufangen wusste, wollte, nahm er den Tod in Kauf und sprang. Routine. Klatsch. Und dass er dich geschwängert hat, der Aladin. Mit seiner Wunderkerze. War Ahnung. Letzter Akt. Applaus. Und Vorhang. Das Kind hat ihn nicht weiter interessiert. Er wollte ficken. Männer ficken. Bargeld. Scheine. Poesie. Gleichgültig. Wann und wo. Mit wem. Und wusste es, kein Wort wird dich jemals erreichen. Mathias. Mit dem einen t. Egal. Wie fett der Schwanz auch ist, der schießt. Sagt Anton, noch etwas, Sophia, hör mir zu. Nennt ihn nicht David, der Geliebte. Dieses Kind. Es würde eine Fehlgeburt. Das Ende. Nimm deine Wünsche, Fantasien aus dem Spiel, Sophia, keine Hypotheken. Schenkt eurem Sohn das Leben. Nicht einen Aufguss. Hinterher. Unwiederbringlich. Er hat das Recht auf sich. An seiner Seite. Und jetzt mach Schluss mit ihm. Der Puppe. Du hast ihn lang genug verschont. Es geht um Aaron. Seinen Bruder. Deinen Freund, Sophia. Ihn wirst du retten können. Vor Mathias. Mit dem einen t. Sagt, Anton, die Sophia, ich enthalte mich. Es ist nicht seine Schuld.

‚Der Paul.‘ (XXXXX)
Fortsetzung folgt

Neuerscheinung
Der Paul.
Erstes Heft: Verschränkte Teilchen.
ISBN 9783756836192
Books on Demand

HÖREN
Ezra Collective
Where I’m Meant To Be
Victory Dance
Partisan Records

LESEN
Thomas Bernhard Der Untergeher
Suhrkamp

SEHEN
Jean-Noël Lavesvre
Dortoir
Terrakotta
Skulptur

Von Peter R. Pollmann

Dichter, Rezitator & Sprechlehrer. Lebt in Köln.