Salome.

Peter R. Pollmann - 'Salome.'
Denn jedem Abschied wohnt ein Zauber inne.

Und auch die Liebe. Nach der Du Dich arg sehnst. Sie hat Dich längst entdeckt. Und im Visier. Weil Du die Worte endlich sprechen kannst. Und mit ihr teilen kannst. Was Dich verletzt. Begehrt. Das Leben hat sich wieder bei Dir eingefunden. Du riechst die ersten Boten freier Luft. Und was den Schmerz angeht. Es wird ein neuer, andrer sein. Und fremde, bisher unerhörte Lust. Wird aus Dir atmen. Dich erfüllen. Töten. Und mir vergeben. Können. Dir verzeihen. Denn meine Wörter. Teufel. Sie waren nur Propheten. Die es zu köpfen galt. Das ist der erste Schritt. Gewesen. Hand aufs Herz. Und Du allein hast ihn getan.

Und jetzt begreife ich auch jenen Satz, den ich Dir schrieb. Den Du mir sagtest, vor mir wiederholtest. Du. Es waren Deine letzten Worte. In meinem Flur, in meiner Wohnung hier, die Dein Zuhause bleibt: „Denn jedem Abschied wohnt ein Zauber inne.“ Der uns verwandeln wird. Und unsrem Urteil, unsren Wörtern, Taten, Träumen, diesem Schicksal widerspricht. Nun bin ich ruhig. Nun kehre ich zurück. Das Meer. Die Weite. Blaue Tiefe. Ich bin ganz oben. Ganz bei mir. Jetzt kann ich springen. Endlich. Stützen. Und nie mehr zittern. Du. Die Höhenangst. Die feige. Sie ist weg. Die Sonne. Geht im Osten auf. Im Westen geht sie unter. Je nachdem.

Peter R. Pollmann
Dornröschen hat Hunger.
Der Krimi bleibt. Schwul.
Prosa – 162 Seiten

Musik
Frank Sinatra
‚My Way‘
FRANK SINATRA HYBRID

Art
Francis Bacon
‚Portrait 1962‘
Öl auf Leinwand
private collection

SoundCloud, Twitter & YouTube (HD)

Von Peter R. Pollmann

Dichter, Rezitator & Sprechlehrer. Videomacher. (Steinbock. Gay. Single.) Lebt in Köln.