BEETHOVEN

Ludwig. Versteht sich. Muss. Sein. Also dann:

Ich fürchte, es war der Ergründer Boulez, der sinngemäß träumte, der aufbrausend sprach, er hoffe am Ende des Tages schockiert einer faustdicken Oper ohne Herrn zu begegnen; kein Schöpferkult, Echo; kein Stamm, Tradition. Welch heilsame Reise. Welch einsame Tat; denn geharnischter Mut wäre nötig, Odysseus, das hochnäsig Fremde aufs Wasser zu scheuchen.

Ein kindlicher Traum; doch in unserem Fall das Himmelsgeschenk, wie bestellt.

All die BEETHOVENSTÄMMER, GEWÄHRSTRÄGER sieh‘, die unverzagt BEETHOVEN-BEETHOVEN trommeln; sich balgen, bekriegen; forsch drängeln, dreist schieben; da wird meinem Hauptmann, jawohl einmal mehr, ganz schwindlig, recht schummrig; echt koddrig. DaDa.

So erschienen Sie mir, Théo Fouchenneret! Ein Wozzeck auf sternklarer Lichtung; gebannt.

Pst, still! Ich hab’s heraus!
Es war ein Gebild am Himmel,
und Alles in Glut!
Ich bin Vielem auf der Spur!

Alban Berg, Wozzeck (nach: Georg Büchner)

Ihr Beethoven nämlich, Herr Fouchenneret, spricht Beethoven BEETHOVENfrei. Das haut hin. Menschenskind. Doch wie schaffen Sie das.

Nicht Technik, nicht Anschlag, nicht Ausdruck; DaDa; Empfindung, Struktur; virtuos; wie leise, recht langsam; echt traulich; DaDa; jetzt ungestüm berstend, hier anregend; tief: das hohe Geschwafel der Kenner; DaDa; die fabelhaft Häppchen im Kurzschluss verdau’n.

Nein. Nein. Lieber Théo. Im Tête–à–tête. Ihr.

Wie Beethoven anspringt, sich wiederentdeckt; ins Wort schneit; verästelt; dem Bild widersteht; erliegt selbst der Meister gerissenem Charme; wie Du, Cavalier, dem seinen verfällst; Dich vorderhand aufbäumst; dem nachstellst, was zwickt; ihn geflissentlich forderst; im Flug; mir entwischt’s.

Dieser Kuss bleibt der erste; was schrecklich bewegt. Denn soviel begreife in Aufruhr selbst ich: Jede Stimme hat Wahlrecht; mischt ungestüm mit. Nix Pardon, je sais pas; tout va bien.

Wir fragen beharrlich. Nichts findet uns. Ab!

Und wenn Du den Atem im Taktfluss entspannst, raunt fürsorglich brummend der selige Pierre – und nicht ohne Neid das – d’enfer.

Weiter. Hören!

BEETHOVEN // THÉO FOUCHENNERET
WALDSTEIN . HAMMERKLAVIER
LA DOLCE VOLTA
Erscheinungstermin: 02.10.2020

Von Peter R. Pollmann

Freischaffender Dichter, Blogger, Rezitator und Sprechlehrer. 'Die offenen Fragen. Sie stellen sich vor, wie verwundbar wir sind. Und das genau macht uns zu Tätern. Mein Freund. Wir reisen ohne Gepäck.'