Kategorien
Musik=Literatur

Maigret

… ose quelque chose = Traut sich was: Schon stapfst Du die Treppe im Hausflur bergan. Längst erwartet Dich oben ein Leser; hab Acht; ich rufe Dich freiheraus, wie Deine Frau: “Mein Maigret!”

Wenn draußen der Regen in Bindfäden strömt, die Seine überwintert, der Holzofen brummt, reichst Du, Anarchist, einem Wurstbrötchen, Bier und vielleicht scharfen Schnaps; wird die Pfeife gestopft.

Nie Ankläger. (Oder jedenfalls selten.) Kein Richter. Vollstrecker. Wen kümmert Moral. Dein Verhör zwingt den Leser zum eigenen Schopf. Was Dich wachruft, spannt, anheizt, in Zweifel versetzt, ist das reiche Geflecht der Gestaltenbeseelung; wie’s Georges Simenon, Deine Ziehmutter, spinnt; Dir gewieft in der Weg stellt; Zug um Zug mit uns teilt.

Du beackerst das Feld; fällst nie triumphierend – oder allenfalls manchmal – den denkfaulen, störrischen Baum. Da braucht’s auch die glänzende Auflösung nicht, die andernorts bums verblüffend und schrill am kläglichen Ende in Hochglanz posiert; was Dich nämlich umtreibt; es spricht uns nicht los. Bleibt stures Geheimnis:

Une conversation. Gigantesque.

Denn jedes Buch liest Du mit Wörtern im Kopf, die Gelesenes schenkte. Ein prägendes Spiel. Zieht’s doch alles Geschriebene selbstverliebt raus; auf die Walz, junger Freund; auf gut Glück: kehrt’s dann sagenhaft heim; neu Gewandet zurück; uns Wort um Wort wandelnd: Den Anschlag im Blick.

So weben wir uns über Zeiten hinaus. Das macht Deinen Krimi apart, Simenon. Nichts bleibt uns erspart. Wir spiegeln uns. Schräg. Was wachhält. Entgleitet. Verweht …

Wie beruhigend, astrein, mein lieber Maigret, Dich bärbeißig oft, Dich übelgelaunt, dann zärtlich galant in der Nähe zu wissen.

Das bleibt. Mir versprochen. Bin da.

Weiter. Lesen!

Georges Simenon
Maigret
75 Romane; der Erzählungen 28

Lern Französisch, mein Hirn;
wie Rimbaud Dich verhext,
Mallarmé uns befreit;
doch Baudelaire sticht sie aus!

Gérard de Cortanze
Une gigantesque conversation
Editions du Rocher