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Musik=Literatur

Dissonanzenfieber

Wie könnte ich wohl Eure Neugier hofieren; mit Tapas, mit Häppchen; als Aperitif: womöglich indem ich verlautbarte, dass Gesualdo, der Waldschrat; bestialisch, geplant; Frau und Beischläfer hinmetzeln konnte; das war’s; dreist, ohne für’s Morden geahndet zu werden – ganz so wie Tom Ripley Hektoden danach.

Wenn’s mundet, Euch angeregt, dann zäumt Ihr den Klepper mit Heftklammern auf, meine plappernden Lieben; strotzt Eure Begeisterung fruchtlos, verdächtig: Ein stinkender Hering. Verödet. Geht heim.

Des schweifenden Schöpfers Boulevardtauglichkeit hat nicht das Geringste mit Schöpfung gemein.

Beäugen wir Bruckner, den Sturkopf, den Dicken; wie farblos, wie linkisch; belächelt; grotesk; wie dümpelt sein täppisches Dasein dahin. Und doch war der Fromme nach zehn Sinfonien penibel akribischen Schaffens allein auf die für mich tollkühnste Heildissonanz des mir vertrauten Multiversums geprallt.
(9te Sinfonie, 3ter Satz, Takt 206!)

Auch wissen wir nichts. Nicht die Bohne. Tut. Tut. Über den Gründer, den Sänger Homer. Mir Vater & Mutter & Heiliger Geist. Und doch wird Odysseus Jahrtausende noch jedes Kinderherz rühren und schüren; Geduld; allen Traum, der zu reisen, zu weben versteht, wird die Ilias erstaunen; auf die Knie zwingen. Schweig!

Also nochmal. Ihr Lieben; was einfährt, das sitzt: Euer Fisch-nicht-Fleisch-Sabbel bekleckert den Tisch; stellt vorlaut der Demut verletzend ein Bein. Ihr müsst Euch entscheiden. Trefft! Die einzige Wahl. Barsch nämlich fordert Gesualdo zum Tanz. Ganz so wie’s – Dezennien nach ihm – Frau Bachmann, die Taffe, ersann:

Die Wahrheit ist dem Mensch zumutbar.

Dissonanz.


Bis morgen. Was sagt Ihr? Also ich bin dabei.
Euer
Peter

Weiter. Hören!

Anton Bruckner
Sinfonie Nr. 9 in d-Moll, WAB 109
Manfred Honeck, Pittsburgh Symphony Orchestra

Carlo Gesualdo
Madrigali
EXAUDI Vocal Ensemble